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Während der Feudalzeit entwickelten sich in Japan innerhalb der Samurai-Schicht
(Kriegerklasse) eine Vielzahl von Kriegeskünsten. So z.B. das Bogenschiessen
die Schwertkunst, die Reitkunst, der Gebrauch der Naginata (Hellebarde)
und vieles andere mehr. Alle diese Formen waren auch in den meisten europäischen
Nationen mehr oder weniger bekannt. Praktisch alle Kriegskünste sind
in der westlichen Welt ebenso geübt worden wie in Japan. Allerdings
waren die Formen und die Methoden der Ausführung teilweise recht
unterschiedlich. Die ausgeprägte Form der Kultivierung des persönlichen
Zweikampfes im feudalen Japan scheint weltweit einzigartig zu sein.
Obgleich der exakte Ursprung des Ju-Jitsu nicht klar ist und kein festgelegtes
Datum seines ersten Auftretens ermittelt werden konnte, gibt es keinen
Zweifel, dass es eine rein japanische Kunst ist. Mit grösster Wahrscheinlichkeit
ist es nicht direkt von den alten chinesischen Kampfkünsten abgeleitet
worden, wie es einige Kampfkunst-Experten immer wieder vermutet haben.
Von
verschiedenen Forschern wird angenommen, dass ein chinesischer Priester
namens Chin Genpin, die Kampfkunst Kempo (Kunst des Schlagens und
Tretens) ca. 1659 von China nach Japan brachte. Während seiner
Lehrtätigkeit als Kampfkunstmeister in einem Tempel in Tokyo, unterrichtete
Chin Genpin die drei Ronin (herrenlose Samurai) Fukuno, lsogai und Miura.
Nach intensivem Studium bei Chin Genpin, gründeten die Samurai drei
eigenständige Ju-Jitsu-Schulen bzw. Stile (sog. Ryu).
Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass Kinn Genpin Ju-Jitsu zum ersten
Mal in Japan einführte. Das von ihm nach Japan gebrachte chinesische
Kempo unterscheidet sich ziemlich deutlich von allen bekannten Ju-Jitsu-Stilen.
Zudem können bestimmte Entwicklungen weit vor die Zeit von Chin Genpin
zurück verfolgt werden.
Ein
Hinweis daurauf, dass das Ju-Jitsu in Japan eine sehr viel längere
Geschichte hat, findet sich in einer Begebenheit, die sich im Jahre 24
v. Chr. zugetragen hat. Zu dieser Zeit bestellte der Kaiser Suinin zwei
bekannte Kämpfer (Nomino Sukune und Taimano Kuehaya) zu einem Ringkampf
in seiner Gegenwart. Er wollte die Stärke und den Mut dieser zwei
Riesen prüfen. In diesem Kampf der zur Hauptsache mit Tritt- und
Schlagtechniken geführt wurde brach Sukune seinem Gegener Kuehaya
mehrere Rippen und verletzte diesen so schwer, dass er verstarb. Obgleich
dieses Ereignis im Allgemeinen als Ursprung des Sumo-Ringens gilt, scheint
es aufgrund der genauen Aufzeichnungen des Kampfgeschehens, dass dieser
Kampf viel mehr mit Ju-Jitsu ähnlichen Techniken geführt wurde.
Sumo
ist der unumstrittene Nationalsport von Japan. Aber es ist nicht die einzige
Kampfkunst, deren Ursprung auf die alte Ringertradition am Hofe von Nara
zurückgeht. Als das Ringen durch ein Edikt im Jahre 1175 verboten
wurde, entstand unter dem Einfluss der herrschenden Samurai-Klasse ein
kreativer Nährboden für die Entwicklung verschiedenster waffenloser
Kampfsysteme. Diese Entwicklungsperiode, dauerte einige Jahrhunderte und
wurde auch nach dem Eintreffen der portugiesischen Entdecker im Jahre
1543 fortgesetzt. Schlussendlich existierten in Japan nicht weniger als
725 dokumentierte Kampfsysteme oder Ryu. In all diesen Schulen wurde hauptsächlich
der Kampf ohne grosse Waffen (Katana, Naginata, etc.) geübt.
All diese Systeme zusammen wurden Ju-Jitsu genannt.
Da es nicht möglich ist, alle unterschiedlichen Stilrichtungen (Ryu)
des Ju-Jitsu zu beschreiben, seien hier einige der ersten und für
die weitere Entwicklung des Ju-Jitsu wichtigsten Ryu erwähnt. Eine
sehr alte Ju-Jitsu Stil-Richtung ist der von Takenouchi Hisamori im Jahre
1532 gegründete Takenouchi-Ryu. In dieser Stilrichtung wurden die
sehr speziellen Techniken des Kogusoku oder die Kunst
des Festklemmens unterrichtet. Diese Techniken unterscheiden sich
noch ziemlich stark von denen der üblichen Ju-Jitsu Stile.
Fukuno
Masakatsu Shichiroemon von Temba entwickelte ein aus dem 14. Jh. stammendes
System, den Kito-Ryu, als dessen zweiter Grossmeister, in wesentlichen
Punkten weiter. Die in dieser Schule intensiv geübte Kunst
des Werfens (Nage-waza) und die Praxis der Form (Kata)
verhalf dem Kito-Ryu zu Prestige und Popularität. Später gründete
Fukuno eine eigene Stilrichtung den Fukuno-Ryu.
Terada Kanemon seinerseits ebenfalls Grossmeister des Kito-Ryu erschuf
den Stil Jikishin-Ryu. Dies war offensichtlich die erste Schule Japans,
die nur Techniken der leeren Hand" lehrte. Terada Kanemon bezeichnete
bereits alle Techniken die nicht zum Töten verwendet wurden als JUDO.
Jigoro Kano studierte den Jikishin-Ryu mehrere Jahre. Dieser Stil gilt
heute als Vorläufer des Kodokan-Judo.
Weitere wichtige Stile waren der Yoshin-Ryu, der Kushin-Ryu, der Sekiguchi-Ryu,
der Shibukawa-Ryu, der Shin no Shindo-Ryu, der Shitsu-Ryu, der Tenshin
Shinyo-Ryu und der Yagu Shingan-Ryu.
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