-
Jigoro
Kano (1860-1938) entwickelte Judo aus den traditionellen
waffenlosen Kampf- und Selbstverteidigungskünsten Japans (Yawara/JuJutsu),
wovon die meisten aus der Zeit der Samurai stammten. Er lernte bei mehreren
Meistern bevor er aus verschiedenen Stilrichtungen das Judo entwickelte.
Bei der Schaffung der neuen Kampfkunst hatte er hauptsächlich drei
Ziele im Auge. Zum Ersten wollte er vor allen Dingen ein System schaffen,
das auf interessante, zu längerem Studium anregende Weise den Körper
und den Geist trainiert. Zweitens wollte er ein effizientes Wettkampfsystem
schaffen, welches dem Ausübenden erlaubt, die Wirksamkeit seiner
Techniken unter Beweis zu stellen ohne den Gegner zu verletzen. Zum
Dritten war es Kano wichtig, dem Judo Studierenden auch ein adäquates
ethisches Konzept zur Charakter- und Persönlichkeitsbildung zur
Verfügung zu stellen. Dies brachte er auch in der Bezeichnung seiner
neuen Kampfkunst zum Ausdruck. Basierend auf der Bezeichnung JuJutsu
ersetzte er das zu seiner Zeit eher kriegerische Wort "Jutsu"
durch "Do" (Weg, Lehre, Philosophie, Prinzip). Den ersten
Teil "Ju" (nachgiebig, sanft) behielt er bei. Dass er unter
Judo weit mehr als nur eine Ansammlung von Kampftechniken verstand,
veranschaulichte Jigoro Kano auch in drei seiner wichtigsten Judo-Prinzipen.
| Ju No Ri |
Prinzip der Nachgiebigkeit |
|
|
| Seirjoku Zenryo |
Rationelle Verwendung
der Energie |
|
|
| Jita kyoei |
Gegenseitige Hilfe und
Unterstützung |
Judo lehrt wie der Schwächere dank seiner Technik den Stärkeren
auf "eine sanfte Art" überwinden kann. Das Ziel des Judo
liegt in der Vervollkommnung des eigenen Ich durch systematisches Training
von Körper und Geist, so dass beide harmonisch zusammenwirken.
Als Wettkampfsport wird Judo v.a. von jüngeren Leuten praktiziert.
In verschiedenen Gewichtsklassen wird in den Kategorien Schüler,
Jugend, Junioren und Aktive gekämpft. Andererseits wird Judo von
vielen geschätzt, welche nicht oder nicht mehr an Wettkämpfen
teilnehmen wollen oder können. Judo kann dank seiner Technikvielfalt
bis ins hohe Alter ausgeübt werden. Durch die praktisch unbeschränkten
Kombinationsmöglichkeiten eröffnet dieser Sport auch nach
Jahren immer wieder neue geistige und sportliche Aspekte.
Für Kinder ist Judo besonders geeignet, da beim Training speziell
Wert auf den Umgang mit dem eigenen sowie mit dem Körper des Partners
gelegt wird. Rücksichtnahme und Fairness gegenüber dem Trainingspartner
(bzw. dem Gegner beim Wettkampf) stehen bei der Ausübung des Judo
an oberster Stelle. Disziplin, Ausdauer und Selbstbeherrschung, alles
Charaktereigenschaften welche in der heutigen Zeit immer weniger anzutreffen
sind, werden im Rahmen des Judotrainings auf natürliche Weise gefördert.
Besonders reizvoll für Kinder und Jugendliche ist die Tatsache,
dass beim Judo alle Techniken voll angewendet werden können. Theoretische
Diskussionen über die vermeintliche oder wirkliche Effizienz entfallen
zugunsten der körperlichen Erfahrung.
Das Judo-System setzt sich grundsätzlich aus den zwei Gruppen zusammen.
| Nage Waza |
Wurftechniken |
|
|
| Katame Waza |
Kontrolltechniken |
Die Kontrolltechniken werden nochmals unterteilt in Halte-, Würge-
und Hebeltechniken (Osae Waza, Shima Waza, Kansetsu Waza). Auf der höheren
Ebene wird Judo ergänzt durch Schlagtechniken (Atemi-Waza) und
Wiederbelebungstechniken (Kuatsu).
Das Lernsystem des Judo kennt vier verschiedene Ausführungsformen:
| Yaku
Soku Geiko |
Grundstudium / Erlernen der Techniken in
isolierter Form. Vielfach auch "Werfen nach Vereinbarung"
genannt. |
|
|
| Randori
|
Leichtes freies Kämpfen. Studium und
Anwendung der Techniken in Bewegung und gegen Widerstand des Partners
(Vorstadium Kakari Geiko à "Werfen gegen Widerstand") |
|
|
| Shiai |
Wettkampf |
|
|
| Kata |
"Studium der Form" für Fortgeschrittene.
Festgelegte Technik-Sequenzen welche mit hoher Präzision
ausgeführt werden. In den verschiedenen Kata werden die grundlegenden
Prinzipien der Kampfkunst geübt und demonstriert. |
Die Kampfkunst Judo ist in der Schweiz im "Schweizerischen Judo-
und Ju-Jitsu-Verband" organisiert. Hauptinstanz ist das von Jigoro
Kano gegründete und in Tokio domizilierte "Kodokan Judo Institute".
|